Meine zwölf Stationen durch die Menschheitsgeschichte!

12 Stationen durch die Menschheitsgeschichte wurde über Bücher Challenges ins Leben gerufen. Zeitraume: 6.10. 2010 bis 5.10. 2011 – Nähere Infos erfährt man über Bücher Challenges. Dazu einfach auf den Banner klicken!


12 Stationen durch die Menschheitsgeschichte

1. Ur- und Frühgeschichte
Anforderung: Ein Buch zu einem der beiden Themen muss gelesen werden.
Vorgeschichte (Steinzeit, etc.)
Frühe Hochkulturen (Ägypten, Mesopotamien, Indien, China, Mykenische Kultur )

“Die Göttin aus Stein” von Gabriele Beyerlein
“Isis” von Brigitte Riebe


2. Antike
Anforderung: Ein Buch zu einem der drei Themen muss gelesen werden.
Antikes Griechenland (8. – 4. Jahrhundert v.Chr.)
Römisches Reich (5. Jh. v.Chr. – 5. Jahrhundert)
Sonstige Antike (Perserreich, Kelten, etc.)

“Der Plan der Druiden” von Caisal Mór  (Kelten 4. – 6. Jh. n. Christus)


3. EXKURS #1
Anforderung: Ein Buch zu folgendem Thema muss gelesen werden.
Sagen in der Geschichte
Anmerkung: Denkbar ist z.B. die Sage um Troja, König Arthus, Tristan und Isolde, Nibelungen, etc.


“Die Nebel von Avalon” (Sage um König Artus) von Marion Zimmer Bradley


4. Mittelalter
Anforderung: Je ein Buch zu allen der drei Themen muss gelesen werden.
Frühes Mittelalter (5. – 10. Jahrhundert)
Hochmittelalter (11. – 13. Jahrhundert)
Spätmittelalter (14. – 15. Jahrhundert)

Die Sünderin von Siena – Brigitte Riebe (14. – 15. Jahrhundert)

5. EXKURS #2
Anforderung: Ein Buch zu folgendem Thema muss gelesen werden.
Die Kreuzzüge (1096-1444)

“Die Kinder des Gral” von Peter Berling

6. Neuzeit
Anforderung: Je ein Buch zu zweien der vier Themen muss gelesen werden.
Frühe Neuzeit: Reformation & Dreißigjähriger Krieg (1517 – 1648)
Absolutismus & Aufklärung (1648 – 1789)
Zeiten des Umbruchs (1789-1815)
Nationalismus, Industrialisierung & Kolonialismus (19. Jahrhundert)

!!!!!
Die Wundärztin – Heidi Rehn – Reformation & Dreißigjähriger Krieg (1517 – 1648)
Die Philosophin von Peter Prange (Absolutismus & Aufklärung)


7. EXKURS #3
Anforderung: Ein Buch zu folgendem Thema muss gelesen werden.
Kolonialisierung (Amerika, Indien, Australien, Afrika etc.)
Anmerkung: Denkbar ist Amerikanische Unabhängigkeit, Australien als Strafkolonie, Indien als Britische Kolonie, etc.)

“Bis ans Ende der Meere” von Lukas Hartmann (Kolonialisierung)

8. Neueste Geschichte
Anforderung: Je ein Buch zu zweien der drei Themen muss gelesen werden.
Die Welt von 1900 – 1945 (Jahrhundertwende, Russische Revolution, Weimarer Republik, etc.)
Erster Weltkrieg (1914 – 1918)
Nationalsozialismus & Zweiter Weltkrieg (1933 – 1945)

“Mala Dona” von Marc Pastor (Ein historischer Thriller, angesiedelt im Barcelona der Jahrhundertwende)
“So fern wie der Himmel” von Julian Lees – Oktoberrevolution
“Im Westen nichts Neues” von Erich Maria Remarque (Erster Weltkrieg 1914 – 1918)

Rezension zu “Die Philosophin” von Peter Prange

Die Philosophin ist mehr als eine Liebesgeschichte. Von Kindheit an lehrt man dem Kind mit den roten Haaren und den unzähligen Sommersprossen, was es heißt, den wahren Glauben zu leben. Sie war sich sicher, dass der Herrgott sie liebte. Bis zu dem Tag, als man ihre Mutter wegen Hexerei vor den Augen des Kindes hingerichtet hatte. Ein letzter Blick, ein letztes Wort ihrer Mutter: “GLÜCK!” Das Letzte was sie ihrer kleinen Sophie zurief, bevor sie in den lodernden Flammen verbrannte und schließlich nichts mehr von ihr übrig blieb. Schreie voller Verzweiflung, die alles übertönten, so laut, als würden sie einen innerlich zerreißen.

Paris 1747

Sophie war zerrissen! Die 18-jährige Sophie lebt in Paris lebt. Im berühmt berüchtigten Café <<Procope>>  geht sie ihrer Arbeit nach. Nachts, wenn sie durch die Pariser Gassen schlendert, wirkt sie traurig und verlassen. Irgendwie verloren! Als Antoine Sartine, ein Stammgast, der sich stets hinter seiner Zeitung verschanzt und das Geschehen im Treffpunkt der Dichter und Denker beobachtet, ihr einen Heiratsantrag macht, reagiert Sophie abweisend, sie ist wie gelähmt und stellt  ihr Schutzschild auf. Sie will allein sein! Liebe? Was ist Liebe? An diesem Tag haben selbst die Geschichten in ihren geliebten Büchern, sie nicht auf andere Gedanken bringen können.

Der Verleger Le Bréton, der lange Zeit um die Rechte der “Chambers Cyclopaedia” kämpfte, witterte großes Geld,  wenn er die Cyclopaedia  übersetzen und veröffentlichen ließe. Keiner der Freidenker hat sich dafür begeistern können, das Werk eines Engländers zu übersetzen. Auch Denis Diderot lehnt den Auftrag ab. Doch plötzlich kommt  ihm die Idee, ein Buch zu schreiben, in dem das ganze Wissen der Menschheit zusammengetragen wird. Die Monarchie ist geschockt! Ketzerei, lautet der Vorwurf der Jesuiten.

Auszug aus dem Klappentext:
Der Philosoph plant das gefährlichste Buch der Welt seit der Bibel, eine Enzyklopädie mit dem ganzen Wissen der Menschheit – Sprengstoff für die morsche Monarchie. Schon bald begreift Sophie, dass es dabei um viel mehr geht als nur um ein Buch. Es geht um ihr eigenes Leben, ihr Recht auf Freiheit, Liebe und Glück.

“Die Philosophin” fängt mit den Schicksalen der Protagonisten den Geist der Zeit ein. Es ist die Aufbruchstimmung vor der Zeit der französischen Revolution, welche man allerdings mehr bei den Dichtern und Denkern herauslesen kann. Eine durchaus interessante Geschichte, der es für meinen Geschmack jedoch an Spannung mangelt. Die leise Annäherung zwischen Diderot und Sophie ist jedoch herzallerliebst. Die detaillierten Beschreibungen vom <<Procope>> füllten das Café so mit Leben, dass man das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Mehr von diesem bunten Leben hätte ich mir ausserhalb und innerhalb von Versailles gewünscht. Die Streitigkeiten zwischen Diderot und seinem Freund Jean-Baptiste le Rond d’Alembert hatte es tatsächlich gegeben; genauso wie die Romanze zwischen Sophie und Denis. Die Charaktere sind so fein gezeichnet, dass man sie mit all ihren Ängsten, Träumen und Wünschen beobachtet und ins Herz schließt.

Ein flüssig zu lesender Roman, der in der Zeit der französischen Aufklärung angesiedelt ist und solch eine ruhige Atmosphäre ausstrahlt, bei der man die Gefahr oftmals leider nicht zu spüren bekommt. Die Sprache verliert mit der Zeit an Schönheit und kommt immer seltener zum Vorschein. Meine Meinung ist recht durchwachsen, dennoch wird dieser Roman von Peter Prange nicht der Letzte gewesen sein.

4 Sterne von 5 Sterne

x Autor/in: Peter Prange
x Titel: Die Philosophin
x Genre: Historischer Roman
x 576 Seiten
x Knaur Verlag
x ISBN: 342662771X

"My name is John!" – Rezension zu "Bis ans Ende der Meere" von Lukas Hartmann

London 1781
Im Auftrag der Admiralität soll der Maler John Webber der Witwe Mrs. Cook ein Portrait ihres Mannes überreichen. Er wirkt verwirrt, weil die schwarz gekleidete Frau ihm gegenüber bissig und recht ungehalten reagiert. Sie stellt sogar die Behauptung auf, den Mann auf dem Portrait nicht zu kennen. Wahrscheinlich tut sie das aus Wut – vielleicht aber auch deswegen, weil ihr zweitältester Sohn erst kürzlich auf See umgekommen war. Ganz so wie sein Vater. Vielleicht wollte sie ihrem Jüngsten davor bewahren, einen ähnlichen Werdegang einzuschlagen. Hugh, so heißt der Kleine, meint jedoch seinen Vater an der roten Nase zu erkennen. Kurz lacht Mrs. Cook auf, bis sie schlagartig ihren finsteren Blick wieder aufsetzt und von Webber wissen will, wie ihr Mann tatsächlich umgekommen sei.

Auszug aus dem Klappentext:
Schon bei der Rückkehr des Schiffes “Resolution” verhängte die Admiralität ein absolutes Redeverbot. Das Andenken des großen Kapitäns muss ein heroisches bleiben; als nobler Entdecker für England sollte er in die Geschichte eingehen. Doch Webber kennt die Wahrheit dieser vierjährigen dritten und letzten Weltumsegelung Cooks und all die quälenden Bilder, die er nicht zeichnen durfte, werden ihn Zeit seines Lebens verfolgen.

Die dritte Expedition:
Zwei Mal umsegelte James Cook die Welt. Inzwischen ist er berühmt und sogar zu einem Ehrenmitglied der Royal Geographical Society aufgestiegen. Auf seiner dritten Expedition will er dem Mythos der berüchtigten Nordwestpassage nachgehen, denn wenn Cook es gelingen sollte sie zu entdecken, würde die Hudson-Bay-Company über eine nördliche Handelsroute, die vom Atlantik bis in den Pazifik führt, profitieren. Im Juni 1776 wird John Webber als Expeditionsmaler angestellt. Er wird Cook auf seiner letzten Expedition auf dem Dreimaster “Resolution” begleiten. Die erste Zeit, die Webber an Bord erlebte, lässt sich mit Folter gleichsetzen.

Enge Räume, strenge Gerüche und die ungehobelte Gesellschaft der Seemänner sind Dinge, an die Webber sich erst noch gewöhnen musste. Doch für besonders schlimm empfand er die Schiffstaufe am Äquator oder die Dinge, die es über die Schattenseite der Entdeckungen fremder Kulturen zu berichten gab, wie zum Beispiel die Bekehrung der Eingeborenen, Gewalt und Foltermethoden, die Kolonialisierung und das Einschleppen von Krankheiten. Gewaltvolle Bilder, die Webber nicht dokumentieren durfte und sie dennoch heimlich in sein Tagebuch eintrug.

Welch eine abenteuerliche Reise! Ich spürte förmlich, wie mir der kalte Wind ins Gesicht peitschte und ich sah, wie meterhohe Wellen sich auf die “Resolution” stürzten und das Segelschiff schwungvoll zum schaukeln brachte.  Hauptsächlich, und das finde ich besonders gut, wird die Geschichte Webbers wie die chronologische Abfolge eines Tagebuches erzählt. Er ist der Protagonist, über den es unglaublich viel zu erfahren gibt. Er war der einsame Junge, den man von England in ein fremdes Land schickte und sich seiner selbst überließ. Jedem stellte er sich vor mit: “My name is John”! Die Einsamkeit deckte Johns Leben mit einer weißgrauen Nebeldecke zu. Doch liest selbst, wie es mit John Webber weiter geht. Dem Autor ist es gelungen, die historisch belegten Fakten mit den Fiktiven so geschickt und sensibel zu verknüpfen, dass sie Eins werden. Ein bunter lebendiger und flüssig zu lesender Sprach- und Schreibstil machen das Leseabenteuer komplett. Zwischendrin wird man sogar mit einer lyrisch-philosophischen Sprache überrascht. Nichts wirkt aufgesetzt! Durch den geschickten Einsatz der Sprachwahl, ist dass das i-Tüpfelchen, einer rundum abenteuerlichen Geschichte mit Tiefgang.

5 Sterne von 5 Sterne

x Autor/in: Lukas Hartmann
x Titel: Bis ans Ende der Meere
x Genre: Historischer Roman
x 490 Seiten
x Diogenes Verlag
x ISBN: 3257240244

Rezension zu “Im Westen nichts Neues” von Erich Maria Remarque

Erich Maria Remarque hat mit “Im Westen nichts Neues” einen Klassiker der Weltliteratur geschaffen, in dem er uns schonungslos über seine Erlebnisse des ersten Weltkrieges aus der Sicht des Soldaten und Protagonisten Paul Baumer erzählt.

Der Roman ist, wie auf der ersten Seite angegeben, weder eine Anklage noch ein Bekenntnis. Vielmehr soll er uns an die verlorene Generation erinnern und die Welt zum Nachdenken und Umdenken anregen.

Der 19-jährige Frontsoldat Paul Baumer und seine Kameraden gehören der 2. Kompanie an, die unter der  strengen Hand des Unteroffiziers Katczinky angeführt wird.
Angestachelt durch die Politiker und ihren Lehrer Kantorek, wagt es keiner von Baumers Kameraden, sich dem Krieg zu entziehen. Grüßen, Strammstehen, Parademarsch, Gewehrpräsentation, Rechtsum, Linksum, Hackenzusammenschlagen gehört im Kasernenhof zum Alltag. Die Erniedrigungen durch den stolzen und hinterlistigen Unteroffizier Himmelsstoß, gehören ebenfalls zur Tagesordnung. Mit Drill haben sie, die Offiziere des kaiserlichen Korps, eine eiserne Jugend formen wollen, die nun an der Westfront für Volk und Vaterland, für Ruhm und Ehre ihren Mann stehen müssen, während sie sich in den Schützengräben vor dem Artilleriegeschützfeuer, den Heulern, Kanonen und den Fliegern schützen und im Gegenangriff erhebliche Verluste verzeichnen müssen. Ihre Weltanschauung, welche man ihnen vorlebte, wird in den Schützengräben des Stellungskrieges zerschlagen.

Jugend? Was bedeutet Jugend, wenn man sich im Krieg befindet? Ich kenne den Krieg nur aus wissenschaftlichen Büchern oder den Nachrichten. Jeden Tag wird über Terror, Korruption und dem unnützen Krieg in Afghanistan berichtet und von unschuldigen Zivilisten, die durch Minen oder Granatsplitter verwundet oder gar ihr Leben verloren hatten. Es macht mich traurig, wenn ich Kinder sehe, die durch das schreckliche Blutvergießen ihre Väter verloren haben. Was wissen wir Enkelkinder schon über die verlorene Generation? Über unsere Großväter oder Urgroßväter die, wie Paul Baumer an der Westfront, erst für das Volk und dann um ihr Leben kämpften und schlussendlich nicht mehr wussten, wer sie waren? Was würden wir machen, wenn unser Nebenmann an den Verletztungen oder am Wahnsinn des Krieges verbluten würde? Remarque hat mir während des Lesens den Atem genommen.
Die erste Träne kullerte mit Seite 29 und es war nicht die Letzte. Und wenn sie überlebten, so waren sie doch tot. Ich bin immer noch wie gelähmt!

5 Sterne von 5 Sterne
x Autor/in: Erich Maria Remarque
x Titel: Im Westen nichts Neues
x Genre: Historischer Roman, Klassiker
x 224 Seiten
x KiWi Verlag
x ISBN: 346202731X

"Die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer Bradley

“Für viele Menschen ist die Welt bereits in den Nebeln des Sommersees verschwunden.”
MERLIN S. 27

Es gibt viele Versionen der Artus Saga, doch “Die Nebel von Avalon” ist die Geschichte von Morgaine.
Was ist Wahrheit und was ist Glaube? Bevor ich zum Inhalt komme, möchte ich ein paar weise Zeilen zitieren:

“Die eine wahre Geschichte gibt es nie und nimmer. Die Wahrheit hat viele Gesichter, und die Wahrheit ist wie der Weg nach Avalon. Es hängt von deinem Willen und deinen Gedanken ab, wohin dich der Weg führt.”

Diese Legende erinnert an den Glauben des “Alten Volkes” und an die marchialische Macht der Frauen, die im Verborgenen die Geschicke ihrer Zeit in den Nebeln von Avalon zum Guten lenken wollen. Zwei Welten, die durch die Christanisierung und der barbarischen Invasion der Sachsen auseinanderzufallen droht. Es ist die Zeit, an deren Ende die Herrschaft des Ambrosius eingeläutet wird. Sein Nachfolger wird sein Feldherr, Uther Pendragon sein. Es gilt den Untergang von Britanien und den “Alten Glauben” diesseits und jenseits von Avalon um jeden Preis zu verhindern.

Schon einmal wurde Irgraine – obwohl sie für ihn nichts empfand – gezwungen, zum Wohle der heiligen Insel mit dem Herzog von Cornwall Gorlois den Bund der Ehe einzugehen. Den Sohn, den Igraine in all den Jahren ihrem Gatten nicht schenken konnte, sollte der Sohn und Thronerbe Uthers sein. Selbst das Schicksal von Morgain, der erstgeborenen Tochter Igraines, schien bereits vor langer Zeit durch Viviane und Merlin auf ihrem Weg zur Priesterin vorbestimmt zu sein. Sie alle wurden für den Aufstieg Artus zu Marionetten der Göttin gemacht.

Das Schicksal von König Artus, Lancelot und seinen Rittern ist Aufstieg und Fall zugleich und Avalon versinkt in den Nebeln der Zeit. Auch wenn ich die sagenumwobenen Schlachten der heroischen Ritter ein wenig vermisst hatte, so hat mich Marion Zimmer Bradley mit der Saga aus der Sicht von Morgaine, nicht mehr loslassen können.Wenn aus dem Geschriebenen, die eigene Vorstellungskraft so angeregt wird, dass man die Bilder vor Augen hat und sich ein eigener “Film” abspielt, dann handelt es sich um ein gutes Buch.

Mein Freund schenkte mir vor langer Zeit das Buch mit den Zeilen:
Dieser Roman wird mit Sicherheit deine Phantasie und Vorstellungskraft anregen. Man erschafft sich seine eigene Welt und stellt sich vor, wie die Helden und Schurken dort leben und lieben. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Und als ich das Buch das erste Mal ausgelesen hatte, wusste ich folgendes: Er hatte Recht!

5 Sterne von 5 Sterne

x Autor/in: Marion Zimmer Bradley
x Titel: Die Nebel von Avalon
x Genre: Historischer Roman, Märchen & Sagen
x 1120 Seiten
x Fischer Verlage
x ISBN: 3596282225

Rezension zu “Das Pergament des Todes” von Frank Kurella

Neuss im November 1284
Das Volk des Heiligen Römischen Reiches (später mit dem Zusatz “Deutscher Nation” vermerkt), sehnte sich nach den alten Zeiten des Kaisers Friedrich II. zurück. Der Kaiser stand unter anderem für Werte wie Gerechtigkeit und Toleranz; nicht so sein Neffe, König Rudolf von Habsburg, der andere Interessen verfolgte und unter dessen Regentschaft das Volk erheblich zu leiden hatte.

Als der totgeglaubte Herrscher erhobenen Hauptes in dem rheinischen Städtchen Einzug hielt, erklangen vereinzelt Sprechchöre. Schnell verbreitete sich die Kunde wie ein Fegefeuer, dass Friedrich II. zurückgekehrt sei. Ihm zu Ehren gab es ein großes Freudenfest. Bauern, Kaufleute, Handwerker und Mütter versammelten sich nach und nach auf dem Marktplatz. Die Neusser feierten und jubelten und die Sprechchöre wurden so laut, dass diese bis in die hintersten Winkel vorgedrungen waren.

Auszug aus dem Klappentext:
Ausgerechnet an diesem Freudentag findet der kleine Taschendieb Marcus seinen Freund und Weggefährten Jonas mit gebrochenem Genick in einem Weinkeller auf. Was steckt hinter dem  feigen Mord? Trachtet man auch ihm nach dem Leben? Auf der Suche nach Antworten wird Marcus allmählich klar, dass nicht nur er sich in größter Gefahr befindet.

Der Autor hat in seinem Roman die Legende, die sich um Friedrich II. ringt, zu neuem Leben erweckt. “Wahrlich er ist der Kaiser!”, dachten sich die Neusser. Doch einige unter ihnen, inklusive dem Bürgermeister Schluter taten ihn, wenn auch die Ähnlichkeit verblüffend war, als Scharlatan ab. Kann das sein? Auf insgesamt 229 Seiten beschreibt Frank Kurella das mittelalterliche Neuss so, dass man es bildhaft vor Augen hat. Auf den letzten Seiten befindet sich neben den historischen Angaben eine Zeichnung, bei der es sich um den Plan der Stadt Neuss von Braun & Hogenberg handelt, in der die Orte mit Nummern versehen wurden. So weiß man, wo sich damals die Neder Strais, das Rhathauss und zum Beispiel dieStoben Gass befand und welche Namen die Orte heute haben. Wenn auch relativ früh bekannt gegeben wird, wer der Mörder ist, so lohnt es sich die Geschichte bis zur allerletzten Seite auszulesen. Mir kam der Roman eher wie ein historischer Thriller vor, der ab Seite 140 immer interessanter wurde und so an Spannung zunahm, dass ich den Roman in einem Zug durchgelesen hatte. Zwischendrin hatte ich ganz andere Vermutungen, als die, die für mich zu einfach erschien. Ich war skeptisch und in ein paar wenigen Situationen (gerade zu Beginn) fehlten mir die zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Ich meine damit die wörtliche Rede, die die Geschichte zu Beginn noch ein wenig lebendiger gestaltet hätte. Zum Beispiel hätte ich gerne dem Gespräch gefolgt, wenn Marco dem hageren Ziegenhirten von seiner Vergangenheit als Waisenkind berichtet. Vielleicht wäre ich als Mönch ein wenig skeptischer im Bezug auf den Wirt gewesen, wenn dieser bei mir eines schönen Tages mit einer Leiche aufkreuzt und darauf hofft, dass ich die Wahrheit seiner Erzählung nicht anzweifle und ihm bei der Bestattung zur Hand gehen würde. Doch dann hätte man die Geschichte nicht so zügig zu Ende bringen können und aus 229 Seiten wären wahrscheinlich mehr geworden. Das geschäftige Leben auf dem Marktplatz war so, wie ich es mir in meinen Vorstellungen ungefähr ausgemalt habe. Bei diesem Roman handelt es sich um ein, wenn auch mit kleinen Schwächen, gelungenen Debüt, auf das hoffentlich noch viele weitere Romane vom Autor folgen werden.

Wer einen kurzweiligen historischen Roman lesen und ins mittelalterliche Neuss eintauchen möchte, welches mich besonders durch seine klare und direkte Sprache und den geschickt eingefädelten historischen Part begeistern konnte, der sollte “Das Pergament des Todes” nicht verpassen. Die aufgebaute Spannung kommt leise und ruhig voran, und lässt sich dennoch fesselnd lesen.
Mir war, als würde ich mit vielen anderen vor einem Kamin oder einem Lagerfeuer sitzen und dem Stadtältesten lauschen.

4 Sterne von 5 Sterne

x Autor/in: Frank Kurella
x Titel: Das Pergament des Todes
x Genre: Historischer Roman (Thriller)
x 229 Seiten
Gmeiner Verlag
x ISBN: 3899777220

"Die Kinder des Gral" von Peter Berling

Montegur war einer der bedeutensten und letzten kartharischen Festungen im Südwesten Frankreichs. Als die Katharer durch die Belagerung des königlichen Senneschals (der Chronik nach im Jahr 1244) kapitulierten, wurde der von König Ludwig IV. entsandte Franziskaner in einen Hinterhalt geführt und mit verbundenen Augen von unbekannten Rittern entführt. Als sie sich zu erkennen gaben, drohte man ihn zu töten, wenn er sie verraten würde. Es begann eine abenteuerliche und gefährliche Flucht, die den flämischen Franziskanermönch Willem von Roebruk, den deutschen Templer Sigbert von Öxfeld (Orden der deutschen Schwertbrüder), dem Tempelritter Crean de Bourivan und die Kinder des Grals, die später (weil er sich verantwortlich fühlt) dem Schutz von Willem unterliegen, bis ins Heilige Land führen sollte. Die Erben des Grals sind königlicher Abstammung. Sie geraten zwischen die intrigantischen Mächte des Kaisers Friedrich II, dem Papst Innozenz IV, die Katharer, den christlichen Templern und den Assassinen; denn nur mit dem Schicksal dieser  Kinder ist es möglich, die Weltherrschaft zu erlangen.

Die Hetzjagd auf die Katharer (Ketzer) ging mit dem Fall von Montegur weiter. Es folgte die Inquisition durch Folter. Mit einem Minorit ungehindert durchs Land zu reiten, würde weniger Aufmerksamkeit auf die christlichen Templer ziehen und so kam es zu der Entführung von Willem von Roebruk, die so spannend geschrieben ist, das man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Erst durch die Templer trifft der Mönch auf die Erben des Grals. Zeitgleich bekommt Ludwig II. eine Nachricht vom Sultan zugestellt, aus der hervorgeht, dass Jerusalem kurz vor dem Fall steht. Ludwig II. entsendet daraufhin seine Truppen.

Das Fiktive ist so gut mit dem historischen Hintergrund verknüpft, dass ich dachte, die Personen hätten damals wirklich (neben den REALEN Personen der Geschichtsschreibung) existiert. Als Leser muss man, besonders wegen der vielen Namen und der Zugehörigkeit der verschiedenen Mächte, sehr viel Geduld mitbringen, bis man sich eingelesen hat. Weil ich mir zu Beginn über das Internet und dem Namensverzeichnis im Buch, ein paar hilfreiche Notizen gemacht hatte, konnte ich die Geschehnisse wesentlich besser verinnerlichen.

Die Sprache ist in der zeitlichen Epoche angesiedelt, in welcher die Geschichte stattfindet. Sie wirkt lyrisch, bunt und durch die Liebe zum Detail sehr lebendig. Begeistert bin ich von der Vielfalt des Wortes. Mitunter sind Wörter dabei, die in der heutigen Zeit längst in Vergessenheit geraten sind und somit wieder in Erinnerung gerufen werden. Der erste Handlungsstrang wird über den ICH Erzähler Willem von Roebruk erzählt. Eine Form die mir, aufgrund der Fülle von Berlings Informationen, als erster Anhaltspunkt diente. Hilfreich sind auch die Karten des mittelalterlichen Europas, an denen ich mich oft orientierte. Peter Berling hat dabei sämtliche zeitgenössische Chroniken berücksichtigt. Wenn man sich zu Beginn die Anmerkung des Autors durchliest, weiß man schon mal, dass Berling zahlreiche Fremdwörter und Idiome in “Die Kinder des Gral” mit einfließen ließ, die im Anhang genauer erläutert werden.

Der Roman “Die Kinder des Gral” lässt sich nicht an einem Tag durchlesen. Dafür benötigt man viel Zeit! Von allen historischen Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe, ist dies das am besten recherchierte. Zugegeben – ich war zunächst durch die Namen und die Bischöfe der verschiedenen Glaubensrichtungen verwirrt und musste für mich selbst “zusammen klambüsern”, wer denn nun zu wem gehört. Hat man das für sich gemacht, dann ist man im Hochmittelalter angelangt und kann die Geschichte mit Hochspannung und sehr viel historischem Hintergrundwissen genießen und verfolgen.

Wer gerne viel Wissen ansammeln und als “Sherlock Holmes der Geschichte” durch die Epochen wandern möchte, wird Peter Berling und sein Werk sicherlich liebend gern in seine persönliche Bibliothek aufnehmen. Unheimlich viele “Denkanstösse” und das Nachschlagen von Ereignissen in dieser Zeit gehören einfach dazu, wenn man Berling kennengelernt hat!

5 Sterne von 5 Sterne

x Autor/in: Peter Berling
x Titel: Die Kinder des Gral
x Genre: Historischer Roman
x 768 Seiten
x Bastei Lübbe Verlag
x ISBN: 3404120604

Rezension zu “So fern wie der Himmel” von Julian Lees

Als der zarentreue Wassya im Jahre 1918 während der Oktoberrevolution durch seinen hinterlistigen Vetter an die kommunistischen Milizen verraten wurde und das Haus der Trofimows in ihrem Heimatort Klara in Brand gesetzt wurde, gab es für Wassya nur eine Möglichkeit, sich und seine Familie zu retten. Mit wenigen Habseligkeiten, die vor dem Feuer einigermaßen verschont blieben, begann für die Familie eine verlustreiche und kräftezehrende Flucht. Die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn in Richtung Sibirien und quer durch Eurasien war ein einziger Höllentrip. Geplagt von Krankheit und Hunger siechten die Flüchtlinge wie die Tiere in ihrem eigenen Exkrementen dahin. Der Geruch in den Waggons war bestialisch. Krankheiten und Armut war Allerorts zu sehen.

An einer Haltestation trug man aus den Holzwaggons die vielen verendeten Leichen nach draußen. Mehrere Wagen zogen an ihnen vorbei, auf denen man sie aufgekarrt und fortgebracht hatte. Es war die Hölle! Als der Zug nach mehreren Tagen an der Endstation angelangt war, kam neben der Trauer und dem vor Hunger knurrenden Mägen die unglaubliche Erkenntis, dass sie inmitten der madschurischen Einöde ausgestiegen waren und nicht etwa dort, wo sie geplant hatten auszusteigen. Ein Kutscher beförderte die Trofimows schließlich nach Harbin, die Hauptstadt der Provinz Heilongjiang. Mit Nichts außer sich selbst und den Kleidern an ihrem Leib suchten Tania, ihr Mann und auch die älteste Tochter Agripina nach Arbeit, um die Miete des heruntergekommenen Zimmers, welches man ihnen anbot, bezahlen zu können. Irgendwie schaffte die Familie, trotz vieler Hindernisse, sich an diesem fremden Ort einzuleben. Sie fanden sogar Freunde, doch die Angst trieb sie wieder fort.

In China kämpfen die russischen Flüchtlinge ums nackte Überleben inmitten von Armut und politischem Terror. Anders wie in Harbin, werden die Russen dort als letzter Abschaum beschimpft. Im zweiten Handlungsstrang befindet man sich in der schillernden Wirtschaftsmetropole Shanghai. Beginnend mit dem Jahr 1917 ( fünf Jahre nach Ende der Qing-Dynastie)  liest man sich in das tragische Schicksal der wohlhabenen Familie Talbot ein. Unter anderem bekommt man die Angst Chinas vor der Großmacht Japans regelrecht zu spüren.

In meiner Ausgabe geht es nicht hervor, dass es sich bei dieser Familiensaga um eine wahre Begebenheit handelt. Das hatte ich woanders gelesen. Dass es sich inhaltlich im Groben um eine Liebesgeschichte handeln soll, würde ich nicht behaupten. Der Autor schrieb dieses Buch, um die Erlebnisse seiner Großeltern  festzuhalten und konnte das Geschehene eindrucksvoll beschreiben. Für dieses durchweg spannende Leseerlebnis möchte man sich am liebsten persönlich bedanken. Über die wenigen Druckfehler in meiner alten Ausgabe sehe ich hinweg. Dieser Roman hat bei mir das Interesse für die chinesische Geschichte geweckt. Man ist manchmal  von einer tieftraurigen Stimmung umgeben; wobei es auch glückliche, hoffnungsvolle, ja sogar humorvolle Momente gibt. Zum Beispiel sind es die schönen Erinnerungen vergangener Tage, wenn die Familie Zuhause am Tisch sitzt und Tania ihren Kindern von ihrem Vater erzählt, oder Agrapina ihre Baumfreunde umarmt. Julian Lees Schreibstil ist unbeschreiblich schön, lebendig, sensibel, ausdrucksstark, malerisch und geht tief. Es ist, als würden sich die verschiedenen Kulissen und das Treiben auf den Straßen und das ganze drumherum, direkt vor einen aufbauen. Die Charaktere sind so liebevoll gestaltet, dass man sie von Beginn an ins Herz schließt, oder sie am liebsten einkerkern wollen würde.

In dieser Geschichte steckt so viel Herzblut, dass man sich wünschte, sie würde niemals enden. Genau richtig für kalte oder verregnete Herbst- und Wintertage! Wenn ich mit dem Buch eingeschlafen bin, dann definitiv  nicht aus Langeweile. Nicht nur ein Muss für alle Histo-Leser, sondern auch ein absolutes Muß für Jeden. Ausnahmslos! LESEN LESEN LESEN!

5 Sterne von 5 Sterne

Rezension zu “Isis” von Brigitte Riebe

Aus Liebe hat Meret ihre Gabe aufs Spiel gesetzt. Einst nannte man sie “Die Augen des Nils”, doch jetzt ist sie verloren.

Verbunden mit dem Schicksal, welches an den Mythos von Seth und Osiris erinnert, trifft sie eines Tages auf Isis. Sie ist die hübsche Tochter eines Steinmetz, um die die Brüder Anu und Khay buhlen. Neid und Missgunst droht das Leben zweier Familien und nicht zuletzt, das der beiden Frauen zu zerstören.

Erzählt wird eine tragische und äußerst brutale Geschichte zweier Familien, die in der Zeit des alten Ägyptens im “Kemet” angesiedelt ist. Zur Zeit der Pharaonen Taharka, Tanutamun und Psammetich und der Schwester des Pije (Schepenupet II)- die Gottesgemahlin von Tanutamun. Theben war zu diesem Zeitpunkt schon in kuschitischer Hand und gerne hätte ich mehr über Angriff und Abwehr der Assyrer erfahren. Die Schwerter hörte ich leider nicht klirren. Insgesamt wurde der historische Teil nur oberflächlich angekratzt und drang nicht zu mir hindurch. Da fehlte es an Tiefe und Atmosphäre. Es wirkte nicht lebendig!

Verfolgt man den Prolog, so weiß man um die Dinge die einem am Ende, so wie es Meret gesagt hat, schier unglaublich erscheinen würden. Gelungen ist der Anfang und das Ende. Zwischendrin war ich eher gelangweilt. Konflikte werden direkt aus der Welt geschaffen, indem z. B. eine der Protagonistinnen nicht das Gespräch mit ihrem Mann sucht, sondern den Freitod wählt und ihre Tochter im Stich lässt.

Ähnlich erging es mir mit dem Roman die “Sünderin von Siena”, der zwar vom Schreibstil ähnlich aufgebaut ist, aber die Personen – meiner Meinung nach – viel mehr Persönlichkeit besaßen, und daher auf mich wesentlich interessanter wirkten. Anu hingegen fiel mir, wahrscheinlich durch sein Handicap, am sympathischsten auf.

Der Klappentext besagt, dass die mörderische Rivalität der Brüder Anu und Khay das Leben von Isis und Meret vollkommen zerstören könnte. Tja, eigentlich ist damit die Geschichte im Groben schon erzählt. Interessanter ist der Weg Merets, die heimlich (ohne des Wissens ihres Vaters, der nichts von seiner Tochter weiß) von ihrer Ziehmutter zum Tempel von “Isis” nach Philae gebracht wird. Man erlebt, wie die Brüder Khay und Anu zu jungen Männern heranwachsen, wobei die Neigungen des Älteren sich mit denen seines Vaters ähneln. Schepenupet und Udjarenes tragen ihren Zwist aus. Wie man es sich vorstellen kann, sind Eifersucht und unerfüllte Liebe ein Grund dafür, schmutzige Intrigen zu schmieden.

Sprache & Schreibstil
Mich hat der Aufbau und die Verknüpfung der historischen Elemente deswegen enttäuscht, weil die Geschichte für mich zu einfach gestrickt ist und die Handlungsstränge (wobei die tragischen Schicksale nichts mit der historischen Erzählung verbindet) erst am Ende zusammenfließen. Die im Prolog verwendete lyrische Sprache wechselt mit dem ersten Kapitel ins umgangssprachliche und ist flüssig zu lesen. Bevor im Kapitel die Handlung über eine Markierung zur Nächsten übergeht, gelingt es der Autorin zwar manchmal den Spannungsbogen aufzubauen, doch für mein Empfinden blieb ich zu oft am Kliff hängen. Ein favorisiertes Stilelement, welches mir stets zusagte. Hier jedoch verfehlte es seine Wirkung und kehrte den Spannungsbogen ins Gegenteil um.

Mit der positiven Kritik Anderer hatte ich mir einen sprachlich schönen, bunten und spannenden Roman vorgestellt, der mich ins alte mystische Ägypten führen sollte. Leider war dem nicht so, denn ich blieb blind.

1 Stern von 5 Sterne

Rezension zu “Der Plan der Druiden” von Caíseal Mór

“Der Plan der Druiden” – Die Wanderer ist der dritte Band einer irischen Saga. Die ersten Bände erzählen in einer wundervollen Sprache von einer Zeit, als die ersten christlichen Mönche nach Irland kamen, um dort die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Bischof Palladius ist ihr Anführer und ein fanatischer Christ, der vor nichts zurückschreckt. Mit ihm entfesselt sich ein blutiger Bürgerkrieg. Für den Tod eines Mönches werden die Einheimischen verantwortlich gemacht. Seginus schwört Rache und zieht mit einem Teil seiner Sachsentruppe nach Süden um das Symbol der Kelten, die heilige Esche, zu zerstören. Die Druiden erkennen, dass sie sich dem Christentum nicht weiterhin entziehen bzw. widersetzen können.

Der Rat der Druiden muss handeln. Was folgt ist, dass sie mit Rom ein Bündnis eingehen und dennoch will man den traditionell keltischen Glauben bewahren. Der Rat bestimmt Mawn und Sianan dazu, als Wanderer das Erbe des Landes Eirinns in sich zu tragen und an die kommenden Generationen weiterzugeben.

Noch immer muss sich der Hochkönig Leoghaire gegen Gewalt und die Intrigen, die die grüne Insel Irland beherrschen, behaupten. Am tückischsten sind die Abtrünnigen; die Feinde die man nicht sofort erkennt.
Zeitgleich entsendet Rom weitere Missionare, die das Volk zum  ´rechten Glauben` führen sollen.

Im Klappentext steht, dass die Druiden mit der Ausbildung ihrer Schüler beginnen, doch der Beginn der Wanderer-Fortsetzung ist anders. Man erlebt eine Verfolgungsjagd durch das frühere Nordfrankreich, die so dargestellt wird, als wäre man hautnah dabei. Ich beuge meinen Körper nach vorn, Kopf an Kopf meines Pferdes und reite im Galopp davon – immer schneller werdend und immerzu mit einem prüfenden Blick über die Schulter.
Ich entkomme, doch der Anführer der Mönche geht den Verfolgern ins Netz. Zur selben Zeit findet ein unerbittlicher Kampf zwischen dem Hochkönig von Irland und den Söldnern statt. Er schafft es tatsächlich, sie und die Mönche in die Flucht zu schlagen. Doch dann sind da noch die römischen Besatzer aus Britanien und Frankreich. Der Hochkönig hat keine andere Wahl, als sich mit den Römern zu verbünden und gemeinsam gegen die Sachsen vorzugehen.

Es handelt sich  bei der Wanderer-Trilogie um eine fiktive Geschichte in Anlehnung an die irische Sagen- und Märchenwelt, in der das vorhandene historische Wissen mit einfließt. Der Autor erweckt mit einer unfassbar schönen und spannenden Sprache das Leben der keltischen Bevölkerung zu neuem Leben.

5 Sterne von 5 Sterne

Die Wanderer-Reihe beginnt mit: Die Ankunft der Mönche – Der Heilige Baum – Der Plan der Druiden – Das Reich der Danaan – Die Bewahrer der alten Wege – Die Schlacht von Samhain

Rezension zu “Die Sünderin von Siena” von Brigitte Riebe

Geliebt, verbannt, geächtet…
Siena 1348: Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann findet Gemma Schutz bei Lina, einer vermögenden Witwe, die ihr Leben den Waisen von Siena widmet. Beide Frauen kämpfen um ihre gesellschaftliche Anerkennung. Doch die rätselhaften Todesfälle zweier unschuldiger Kinder drohen ihnen zum Verhängnis zu werden.

Sie war eine Gefangene, ihrer Freiheit beraubt! Vom Teufel (ihrem eigenem Mann Lupo) gedemütigt, unterdrückt und misshandelt, verliert Gemma zunächst jeglichen Lebensmut. Sie schafft es ihm zu entkommen. Irgendwo auf den Straßen in Siena, sinkt sie erschöpft auf die Knie. Gemma macht Bekanntschaft mit drei entzückenden Waisenkindern, die sie schließlich zu Monna Lina führen. Dort war sie geschützt, dort könne ihr Mann ihr nichts anhaben. Zumindest glaubt sie das. Schnell spürt Gemma die Traurigkeit welche Lina umgibt, umhüllt von einem schwarzen Schleier, abgeschirmt hinter den Mauern einer verschlossenen Burg. Gemma geht des Weges, als es zwischen den beiden Frauen zum Streit kommt und kehrt mit gemischtem Gefühl zu ihrem Vater zurück. Ein ehrbarer Kaufmann mit dem Namen Bartalo, der in Siena für sein kostbares Salz bekannt ist. Es ist Sünde seinen Ehemann zu verlassen. Würde der Vater ihr die Tür verschließen? Würde er sie anhören und auch verstehen?

Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!

Niemand in Siena ist ohne Sünde. Obwohl sich der Roman bis circa S.200 recht kompliziert lesen ließ, fand ich irgendwann heraus, wer mit wem in Verbindung stand. Allerdings weiß ich immer noch nicht, wer von den Händlern und Handwerkern in Siena, nebst dem Apotheker, dem Richter und auch Lupo, dem “Rat der Zwölf” angehörte. Eine Auflistung aller Beteiligten hätte das Lesen erleichtert, aber wahrscheinlich wollte die Autorin beim Leser ganz bewußt Verwirrung stiften. Man hat anfangs keinerlei Bezug zu den Personen und daher kommt die Handlung nur langsam in Gang. Viele Bürger und Kinder in Siena erkrankten und die Angst vor dem Schwarzen Tod, der jederzeit wiederkehren könnte, war spürbar. Dies war der Grund, weshalb die Menschen sich intensiver der Religion zutaten, beteten und Buße taten. Jeder wollte dem Dämon entkommen. Das hatte geradezu fanatische Auswirkungen. Es gab blutige Aufstände und das Ansehen der Kirche begann zu bröckeln. Siena begann zu bröckeln.
In einem winzigen Verließ lebte “Das Kind des Volkes” als Mantellatin in strenger Buße, Entsagung und Betrachtung. Nichts von dem (was in der Außenwelt vorging) erfuhr sie, wenn man es ihr nicht zutgetragen hätte. Die Autorin hat mir Catarinas “Leben und Wirken” näher gebracht. Ich empfand es neben der Gefahr, in der Lina und Gemma und auch die Waisenkinder sich befanden, mit am interessantesten. Nebst den Themen der Sodomie, der Religion, der Kunst und Siennischen Tradition, wird man Zeuge einer aufkeimenden Liebe, die zwischen Gemma und dem sympathischen Maler Matteo entfacht.

Anfangs hat mich der Roman von Brigitte Riebe verärgert, verwirrt und sogar ratlos gemacht. Nach und nach ergab alles einen Sinn und wenn auch das Ende für mich (ungefähr mit der Seite 440) vorhersehbar war, las ich gebannt weiter. So denke ich noch immer über die Geschichte Siennas nach. Vermisst habe ich detailliertere Beschreibungen des mittelalterlichen Siennas, denn dieses Bild blieb mir leider verborgen. Froh bin ich darüber, dass ich den Roman nicht vorzeitig beendet hatte und die “Geschichte” im weiteren Verlauf genießen und auf mich wirken lassen konnte.

Jeder birgt ein dunkles Geheimnis, wer nicht, werfe den ersten Stein!

4 Sterne von 5 Sterne

Lovestory 30jähriger Krieg??? "Die Wundärztin" von Heidi Rehn

Aus dem Klappentext:

Deutschland im Dreißigjährigen Krieg: Die kluge Södlnertochter Magdalena arbeitet als Wundärztin im kaiserlichen Tross. Bald entbrennt sie in großer Liebe zu dem Kaufmannssohn Eric, der seit dem Tod seiner Eltern allein lebt. Doch es ist eine verbotene Liebe, denn die Väter der beiden standen sich einst in Feindschaft gegenüber. Nach einer Schlacht verschwindet Eric spurlos – und Magdalena muss eine folgenschwere Entscheidung treffen…

“Sehr gut recherchiert” – so steht es auf dem Klappentext, doch mir war es eindeutig zu wenig. Der späte 30jährige Krieg dient eher als Randhandlung und wurde (so kommt es mir zumindest vor) von der Autorin, anhand einer chronologisch aufgebauten Zeittafel, kurz und knapp abgearbeitet. Es wirkte auf mich mehr farblos als lebendig und oft nicht nachvollziehbar. So war es auch in der Handlung, in welcher der Prolog insgesamt am spannendsten war. Sie verwirrte mich dennoch und hatte im Bezug auf die Feindschaft zwischen dem Großvater der Söldnerstochter Magdalena und Erics Großvater, die erste und wohl wichtigste aller aufkeimenden Fragen aufgeworfen.

Magdalenas Vater verbietet ihr den Umgang mit Eric, doch er verschweigt ihr das WARUM. Wie kann es sein, dass man einen armen verlorenen Jungen lediglich ins Gesicht sieht und darin den Feind zu erkennen vermag; ihn verachtet, obwohl er seine Tochter heldenhaft gerettet hat? Wie kann es sein, dass diese elementare Frage bis zum Schluß nicht geklärt wird? Was Magdalena von Eric bleibt, ist das Familienerbstück, dass er an sie weitergegeben hat. Ein ganz besonderer Bernsteinanhänger, der sie beschützen soll und beide in der Not zusammenführen würde.

Magdeburg stand lichterloh in Flammen

Noch im Prolog liest man über den Sturm auf die Stadt und darüber, dass Magdalena den Pappenheimerschen angehört und für die gerechte Sache des Kaisers kämpft. Über die  feindlichen Truppen in der Stadt erfährt man nichts genaueres.

Die Schlacht bei Freiburg im Breisgau ( Juli bis August 1644)
Das erste Kapitel beginnt damit, dass sich Eric und Magdalena engumschlungen in den Armen liegen. Wie schön, dass die Liebenden wieder zueinander gefunden haben, dachte ich mir. Dem Bernstein sei gedankt! Man erfährt jedoch nichts über die tatsächlichen Beweggründe, die die gesamte Familie dazu bewogen hatte, nach Freiburg zu gehen oder darüber, was in der Zwischenzeit passiert war. Eigentlich schade, denn das hätte wirklich spannend werden können. Eric hatte mittlerweile das Handwerk des Zimmermanns erlernt und Magdalena, die von klein auf  in dem Tross des kaiserlichen Heeres aufwuchs und sich dort die Kenntnisse der Feldscher zu eigen machte, fand ihre wahre Bestimmung in der Tätigkeit als Wundärztin.

Im Lazareth – “Die Franzmänner kommen – rette sich wer kann!”

Hier kam für einen kurzen Moment ein wenig mehr Spannung auf. Das Lazareth wurde von den Franzosen überfallen. Die Söldnertruppen der Schweden hatte man allerdings nicht erwähnt. Magdalenas Vater wurde tödlich verletzt und starb in ihren Armen. Seine letzten Worte waren, dass sie sich von Eric fernhalten solle, er würde sie ins Verderben bringen. Magdalena sank in ihrer Trauer erschöpft an einem Baumstamm nieder und fragte sich, ob Mercys Truppen sich zurück gezogen hatten. Plötzlich wurde sie von drei Soldaten umzingelt. In den hungrigen Augen der Männer sah Magdalena was ihr bevorstehen würde. Doch (“Tata!”) plötzlich war ihr Retter wieder da und alle Spannung verflog im Nu. Das war nicht mal das Schlimmste! Gerade erst ist ihr Vater verstorben, um sie herum tobt eine blutige Schlacht und Eric und Magdalena haben nichts anderes im Sinn, als sich ihrer zügellosen Liebe hinzugeben und an den kuschligen Heuboden zu denken. Kurze Zeit später ist der Zimmermann spurlos verschwunden. Magdalena wirkte verloren und blieb beim Tross.

Spätestens da verlor ich die Lust. Doch vielleicht hätte ich etwas verpasst? Vielleicht würde die Spannung noch kommen? Vielleicht würden mir all meine Fragen noch beantwortet werden? Man sagt “Die Hoffnung stirbt zuletzt”, doch ich wurde enttäuscht. Die literarische Prosa empfand ich phasenweise nicht angebracht – mehr gewollt als gekonnt. Der Sprachstil war nicht gleichbleibend und wirkte auf mich irgendwie aufgesetzt. Vieles wirkte auf mich zu abgehackt und nicht wirklich abgeschlossen. Zu viele Fragen bleiben offen. Es tut mir leid, aber mich hat dieser historische Liebesroman nicht vom Hocker gerissen. Roswitha und selbst die böse Cousine empfand ich von allen Charakteren am glaubwürdigsten. Es ist kaum zu glauben, wie sich die Autorin an belanglose Dinge gekrallt hat  und diese so detailliert schilderte, dass es kein Vorankommen gab. Dies nahm der Geschichte den letzten Lebenshauch  und ließ sie verblassen.Wirklich schade!

Fazit: Selbst die Liebesgeschichte konnte mich nicht überzeugen!
1 Stern von 5 Sterne
Post Scriptum:

Olli hatte eine ganz eigene Meinung zum Buch, als er den Klappentext betrachtete: “Tja – klingt nach einem Versuch “Romeo & Julia” auf´s Schlachtfeld zu tragen!” Dass dann ein Zitat aus dem Prolog des bekannten Shakespeare-Stückes zum Besten gegeben wurde, versteht sich von selbst.